NF-L-Biomarker-Forschungsprogramm: Analysegerät installiert und erste Messung erfolgreich durchgeführt

Das For­schungs­pro­gramm zu Neu­ro­fi­la­ment Light Chain (NF‑L) ist ein ambi­tio­nier­tes medi­zi­nisch-wis­sen­schaft­li­ches Vor­ha­ben, das einen hohen Pati­en­ten­nut­zen auf­weist und zugleich die ALS-The­ra­pie­for­schung in Deutsch­land vor­an­bringt. Durch die Nut­zung einer gemein­sa­men NF-L-Bio­mar­ker-Infra­struk­tur wird die bestehen­de wis­sen­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit der ALS-Zen­tren gestärkt und die ALS-For­schung in Deutsch­land beför­dert. Auf­grund der Kom­ple­xi­tät des Ana­ly­se­ver­fah­rens und der zum Ein­satz kom­men­den Tech­no­lo­gie (Sin­gle Mole­cu­le Ana­ly­sis, SIMOA) sowie des mul­ti­zen­tri­schen Cha­rak­ters der Stu­die (und damit ver­bun­de­ner logis­ti­scher und daten­be­zo­ge­ner Her­aus­for­de­run­gen) ist das NF-L-For­schungs­pro­gramm in mehr­fa­cher Hin­sicht anspruchs­voll.

In der Ent­wick­lung der NF-L-For­schungs­pro­gramms wur­den die ers­ten Schrit­te erfolg­reich voll­zo­gen: Mit finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung der Boris Canes­sa ALS-Stif­tung konn­te der Beschaf­fungs­pro­zess des SIMOA-Gerä­tes HD‑X abge­schlos­sen wer­den. Das SIMOA-Gerät HD‑X von Quan­te­rix Inc. (USA) wur­de in der Schweiz mon­tiert, (mit Ver­zö­ge­rung durch die Covid-19-Pan­de­mie) an die Cha­ri­té gelie­fert und tech­nisch instal­liert. Die Aus­bil­dung und Schu­lung von Per­so­nal zur Gerä­te­nut­zung und Ana­ly­se­durch­füh­rung wur­de rea­li­siert. Ein medi­zi­nisch-wis­sen­schaft­li­ches Pro­to­koll wur­de erar­bei­tet. Am 10. Juni 2020 wur­de die ers­te NF-L-Ana­ly­se aus dem Blut eines ALS-Pati­en­ten erfolg­reich durch­ge­führt. Damit wur­de die tech­ni­sche Grund­la­ge für das NF-L-For­schungs­pro­gramm gelegt.

Instal­la­ti­on des SIMOA-Gerä­tes HD‑X:
Gerä­te­in­wei­sung durch Bio­che­mi­ke­rin von Quan­te­rix (lin­kes Foto, in der Bild­mit­te; rech­tes Foto: links im Bild) für das ALS-Team. Auf Grund der Covid-19-Pan­de­mie­maß­nah­men war die Schu­lung in klei­ne­ren Grup­pen zu unter­schied­li­chen Zeit­punk­ten und das Tra­gen der Schutz­mas­ken erfor­der­lich.

Nach tech­ni­scher Eta­blie­rung des Ver­fah­rens ist jetzt vor­ge­se­hen, Blut­pro­ben von ALS-Pati­en­tin­nen und ‑Pati­en­ten der Cha­ri­té zur NF‑L Serum­kon­zen­tra­ti­on zu ana­ly­sie­ren. Anschlie­ßend wird die ALS-Ambu­lanz des Alfried Krupp Kran­ken­hau­ses in Essen dem For­schungs­pro­gramm bei­tre­ten und der ers­te Part­ner beim Auf­bau einer über­re­gio­na­len Infra­struk­tur sein. Die Her­aus­for­de­run­gen lie­gen in der Auf­be­rei­tung (Zen­tri­fu­ga­ti­on), Doku­men­ta­ti­on, Ver­sen­dung, und Archi­vie­rung der Blut­pro­ben. Die Daten­über­mitt­lung von kli­ni­schen Infor­ma­tio­nen und Test­ergeb­nis­sen wird in die­ser Zusam­men­ar­beit eta­bliert, um in wei­te­ren Schrit­ten wei­te­re ALS-Ambu­lan­zen in Deutsch­land ein­zu­bin­den. Die ent­spre­chen­den ver­trag­li­chen Vor­aus­set­zun­gen wer­den eben­falls bereits bear­bei­tet.

Die orga­ni­sa­to­ri­sche Lei­tung der SIMOA-Metho­de in der ALS-Ambu­lanz liegt bei Bir­git Koch (Ambu­lanz-Manage­ment). Die medi­zi­nisch-wis­sen­schaft­li­che Lei­tung des Ver­fah­rens hat Dr. Peter Kört­vé­ly­es­sy über­nom­men, der sich seit meh­re­ren Jah­ren der Bio­mar­ker-For­schung bei neu­ro­de­ge­ne­ra­ti­ven Erkran­kun­gen wid­met. Das Pro­jekt­ma­nage­ment ein­schließ­lich der wis­sen­schaft­li­chen Pro­to­koll­ent­wick­lung, der For­schungs­lo­gis­tik sowie der Koor­di­na­ti­on der teil­neh­men­den Stu­di­en­zen­tren und Bud­get­steue­rung wird von Erma Sal­kic (Cli­ni­cal Tri­al Mana­ger) bewerk­stel­ligt.

Autor: Tho­mas Mey­er


30. Juni 2020