SOD1 gene screening in ALS – frequency of mutations, patients’ attitudes to genetic information and transition to tofersen treatment in a multi-center program

PMID: 39268612
Autoren: Thomas Meyer, Peggy Schumann, Torsten Grehl, Ute Weyen, Susanne Petri, Annekathrin Rödiger, Robert Steinbach, Julian Grosskreutz, Sarah Bernsen, Patrick Weydt, Joachim Wolf, René Günther, Maximilian Vidovic, Petra Baum, Moritz Metelmann, Jochen H. Weishaupt, Berthold Streubel, David C. Kasper, Yasemin Koc, Dagmar Kettemann, Jenny Norden, Philipp Schmitt, Bertram Walter, Christoph Münch, Susanne Spittel, André Maier, Péter Körtvélyessy

Zusam­men­fas­sung

Ziel­set­zung: Ziel der Stu­die war es, die Häu­fig­keit krank­heits­ver­ur­sa­chen­der Vari­an­ten im SOD1-Gen im Rah­men eines gene­ti­schen Unter­su­chungs­pro­gramms bei Amyo­tro­pher Late­ral­skle­ro­se (ALS) zu erfas­sen. Zudem wur­de unter­sucht, wie der Über­gang in ein Här­te­fall­pro­gramm bezie­hungs­wei­se ein Pro­gramm für den erwei­ter­ten Zugang (Expan­ded Access Pro­gram, EAP) zur Behand­lung mit Tofer­sen in der kli­ni­schen Pra­xis erfolg­te.

Metho­den: Zwi­schen Okto­ber 2021 und Febru­ar 2024 wur­den an elf deut­schen ALS-Zen­tren gene­ti­sche Unter­su­chun­gen der Gene SOD1, FUS, TARDBP und C9orf72 durch­ge­führt. Die Teil­neh­men­den konn­ten wäh­len, ob sie über alle fest­ge­stell­ten gene­ti­schen Vari­an­ten oder aus­schließ­lich über SOD1-Vari­an­ten infor­miert wer­den woll­ten, die für eine Behand­lung mit Tofer­sen rele­vant sind. Außer­dem wur­de der Über­gang in das Tofer­sen-Här­te­fall­pro­gramm unter­sucht.

Ergeb­nis­se: Ins­ge­samt wur­den 1.935 Men­schen mit ALS gene­tisch unter­sucht. Bei 94,7 Pro­zent lag kei­ne bekann­te fami­liä­re Häu­fung der Erkran­kung vor. 48,8 Pro­zent der Teil­neh­men­den (n = 928) ent­schie­den sich dafür, über behand­lungs­re­le­van­te gene­ti­sche Befun­de infor­miert zu wer­den.

Fol­gen­de gene­ti­sche Ver­än­de­run­gen wur­den fest­ge­stellt:

  • bei 1,8 Pro­zent (n = 34) wahr­schein­lich oder sicher krank­heits­ver­ur­sa­chen­de SOD1-Vari­an­ten der Klas­sen 4 oder 5,
  • bei 0,8 Pro­zent (n = 16) SOD1-Vari­an­ten unkla­rer Bedeu­tung der Klas­se 3,
  • bei 0,9 Pro­zent (n = 17) wahr­schein­lich oder sicher krank­heits­ver­ur­sa­chen­de FUS-Vari­an­ten,
  • bei 1,3 Pro­zent (n = 25) wahr­schein­lich oder sicher krank­heits­ver­ur­sa­chen­de TARDBP-Vari­an­ten und
  • bei 7,0 Pro­zent (n = 135) eine krank­heits­re­le­van­te Wie­der­ho­lungs­ver­än­de­rung im C9or­f72-Gen.

Bei den 50 Per­so­nen mit einer SOD1-asso­zi­ier­ten ALS ein­schließ­lich Vari­an­ten der Klas­sen 3 bis 5 berich­te­ten 68 Pro­zent (n = 34) über kei­ne fami­liä­re Vor­be­las­tung. Ins­ge­samt began­nen 37 die­ser Betrof­fe­nen – 74 Pro­zent der SOD1-Grup­pe und 1,9 Pro­zent aller unter­such­ten Per­so­nen – eine Behand­lung mit Tofer­sen.

Vom Beginn der gene­ti­schen Unter­su­chung bis zum Behand­lungs­be­ginn ver­gin­gen im Medi­an 94 Tage. Die indi­vi­du­el­le Dau­er lag zwi­schen 57 und 295 Tagen. Acht Per­so­nen ent­schie­den sich gegen die The­ra­pie. Fünf Betrof­fe­ne ver­star­ben, bevor die Behand­lung begon­nen wer­den konn­te.

Schluss­fol­ge­rung: Der Nach­weis von SOD1-Vari­an­ten bei Men­schen ohne bekann­te fami­liä­re Vor­be­las­tung unter­streicht die Bedeu­tung einer brei­ten gene­ti­schen Unter­su­chung bei ALS. Die Mög­lich­keit einer Behand­lung mit Tofer­sen wur­de von der Mehr­heit der Men­schen mit SOD1-ALS genutzt.

Die erheb­li­chen Unter­schie­de bei der Zeit­span­ne zwi­schen gene­ti­scher Unter­su­chung und The­ra­pie­be­ginn zei­gen zugleich, dass ein struk­tu­rier­tes Ver­sor­gungs­pro­gramm für Men­schen mit SOD1-ALS not­wen­dig ist.