Shared prognostic information in amyotrophic lateral sclerosis - systematic assessment of the patients' perception of neurofilament light chain and the ALS functional rating scale

PMID: 39910638
Autoren: Lukas Maximilian Möhwald, André Maier, Torsten Grehl, Ute Weyen, Patrick Weydt, René Günther, Paul Lingor, Bettina Göricke, Susanne Petri, Julian Grosskreutz, Matthias Boentert, Isabell Cordts, Jochen H. Weishaupt, Johannes Dorst, Christoph Münch, Thomas Meyer, Petra Baum

Zusam­men­fas­sung

Hin­ter­grund: Bei der Amyo­tro­phen Late­ral­skle­ro­se (ALS) wur­de die leich­te Neu­ro­fi­la­mentket­te (NfL) als Bio­mar­ker zur Ein­schät­zung der Pro­gno­se ein­ge­führt. Seit Kur­zem kön­nen NfL-Wer­te den Betrof­fe­nen auch über die ALS-App zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Die über­ar­bei­te­te ALS-Funk­ti­ons­ska­la (ALSFRS‑R) ist ein eta­blier­tes Instru­ment zur Selbst­ein­schät­zung des Krank­heits­ver­laufs. Sie kann wäh­rend eines Ambu­lanz­ter­mins oder aus der Fer­ne erho­ben wer­den. Bis­her gibt es jedoch nur weni­ge sys­te­ma­tisch erho­be­ne Daten dar­über, wie Men­schen mit ALS pro­gnos­ti­sche Infor­ma­tio­nen zu NfL und ALSFRS‑R sowie deren digi­ta­le Bereit­stel­lung wahr­neh­men.

Metho­den: In einer mul­ti­zen­tri­schen Stu­die wur­den 149 Men­schen mit ALS dazu befragt, wie sie die Wei­ter­ga­be von Infor­ma­tio­nen zu NfL und ALSFRS‑R wahr­neh­men. Dafür wur­den ein eigens ent­wi­ckel­ter Fra­ge­bo­gen und eta­blier­te Erhe­bungs­in­stru­men­te ein­ge­setzt. Die Bereit­schaft, die Bestim­mung von NfL bezie­hungs­wei­se die Erhe­bung der ALSFRS‑R ande­ren Betrof­fe­nen zu emp­feh­len, wur­de mit­hil­fe des Net Pro­mo­ter Score (NPS) ermit­telt.

Die mög­li­che Belas­tung durch die­se Infor­ma­tio­nen wur­de in zwei unter­schied­li­chen Situa­tio­nen unter­sucht:

  1. bei der per­sön­li­chen Mit­tei­lung von NfL- und/oder ALS­FRS-R-Ergeb­nis­sen wäh­rend eines Ambu­lanz­ter­mins und
  2. bei der digi­ta­len Bereit­stel­lung von NfL-Wer­ten und der selbst­stän­di­gen Erfas­sung der ALSFRS‑R über die ALS-App.

Die all­ge­mei­ne Angst vor dem Fort­schrei­ten der Erkran­kung wur­de mit der Kurz­form des Fra­ge­bo­gens zur Pro­gre­di­enz­angst (FoP-Q-SF) erfasst.

Ergeb­nis­se: Infor­ma­tio­nen zu NfL und ALSFRS‑R wur­den von 75,2 bezie­hungs­wei­se 77,2 Pro­zent der Befrag­ten als per­sön­lich rele­vant ein­ge­schätzt. Für die ALS-For­schung hiel­ten 98 Pro­zent die NfL-Wer­te und 96 Pro­zent die ALS­FRS-R-Daten für bedeut­sam.

Der Net Pro­mo­ter Score zeig­te eine hohe Bereit­schaft, die Bestim­mung von NfL (+21) und die Erhe­bung der ALSFRS‑R (+26) ande­ren Men­schen mit ALS zu emp­feh­len.

Nur eine Min­der­heit emp­fand die Mit­tei­lung der NfL-Wer­te als belas­tend. Bei der per­sön­li­chen Bespre­chung in der Ambu­lanz lag die­ser Anteil bei 4,2 Pro­zent, bei der digi­ta­len Bereit­stel­lung bei 12 Pro­zent. Die­ser Unter­schied war sta­tis­tisch signi­fi­kant. Die digi­ta­le Selbst­er­fas­sung der ALSFRS‑R wur­de ins­ge­samt gut ange­nom­men; 9,8 Pro­zent der Teil­neh­men­den emp­fan­den sie als belas­tend. Bei 40 Pro­zent der Befrag­ten zeig­te der Fra­ge­bo­gen eine Angst vor dem Fort­schrei­ten der Erkran­kung.

Schluss­fol­ge­run­gen: Die Stu­die unter­streicht die Bedeu­tung von Infor­ma­tio­nen über NfL und ALSFRS‑R aus Sicht der Men­schen mit ALS. Zugleich erkann­ten die Teil­neh­men­den den hohen Wert die­ser Daten für die ALS-For­schung.

Die Mit­tei­lung von NfL-Wer­ten und ALS­FRS-R-Ergeb­nis­sen wur­de nur sel­ten als belas­tend emp­fun­den – auch bei der digi­ta­len Bereit­stel­lung über die ALS-App. Die Ergeb­nis­se unter­stüt­zen die wei­te­re Ent­wick­lung eines pati­en­ten­zen­trier­ten Umgangs mit pro­gnos­ti­schen Infor­ma­tio­nen bei ALS.cher Unter­su­chung und The­ra­pie­be­ginn zei­gen zugleich, dass ein struk­tu­rier­tes Ver­sor­gungs­pro­gramm für Men­schen mit SOD1-ALS not­wen­dig ist.