Zusammenfassung
Bei Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) kann eine nachlassende Hustenkraft dazu führen, dass Sekret nicht mehr ausreichend aus den Atemwegen entfernt wird. Die mechanische Insufflation-Exsufflation (MI‑E), auch Hustenassistenz genannt, unterstützt das Ein- und Ausatmen durch wechselnde Druckverhältnisse. Die Therapie soll die Beweglichkeit der Brustkorbmuskulatur und der Gelenke verbessern, einer unzureichenden Belüftung der Lunge entgegenwirken und Bronchialsekret lösen. Obwohl die Behandlung als hilfreich gilt, liegen bislang nur wenige systematische Untersuchungen zur Versorgung, Symptomlinderung und Zufriedenheit der Betroffenen vor.
Die Forschungsplattform Ambulanzpartner koordinierte eine Langzeit-Beobachtungsstudie, die zwischen Juli 2018 und September 2023 an zwölf deutschen ALS-Zentren durchgeführt wurde. Eingeschlossen wurden Menschen mit ALS, deren eingeschränkte Hustenkraft eine MI-E-Therapie erforderlich machte. Erfasst wurden die Versorgung mit einem Hustenassistenzgerät, Gründe für eine nicht erfolgte Versorgung, klinische Messwerte, die Häufigkeit der Anwendung, die subjektiv wahrgenommene Einschränkung der Hustenkraft und die Linderung der Beschwerden. Die Zufriedenheit mit der Therapie wurde anhand der Bereitschaft zur Weiterempfehlung bestimmt.
Von 694 Menschen mit ALS, bei denen eine MI-E-Therapie angezeigt war, erhielten 527 Personen (75,9 Prozent) ein entsprechendes Gerät. Der häufigste Grund für eine nicht erfolgte Versorgung war, dass die betroffene Person vor der Bereitstellung verstarb (66 von 167 Personen; 39,5 Prozent). Diese Patientengruppe war zum Zeitpunkt der Therapieempfehlung stärker von der Erkrankung betroffen. Sie wies einen schnelleren Krankheitsverlauf und einen niedrigeren maximalen Hustenstoß (Cough Peak Flow, CPF) auf.
Die Mehrheit der mit MI‑E versorgten Personen nutzte das Gerät täglich (290 von 370 Personen; 78,4 Prozent). Die selbst eingeschätzte Einschränkung der Hustenkraft stimmte mit den klinischen Messwerten überein, insbesondere bei stärker ausgeprägten Beschwerden. Bei den Verlaufskontrollen berichteten die Teilnehmenden über eine deutliche Verringerung der Hustenprobleme. Eine häufige Anwendung war mit einer stärkeren Symptomlinderung und einer höheren Bereitschaft zur Weiterempfehlung verbunden.
Die Studie verdeutlicht das symptomlindernde und palliative Potenzial der mechanischen Hustenassistenz bei ALS. Zugleich zeigen die Ergebnisse, wie wichtig eine frühzeitige Versorgung ist, damit Betroffene die Therapie rechtzeitig erhalten und nutzen können.