Minimum important slowing of disease progression as determined by the ALS functional rating scale - a survey of patient expectations toward disease-modifying drugs in ALS

PMID: 41557593
Autoren: Thomas Meyer, André Maier, Torsten Grehl, Ute Weyen, Annekathrin Rödiger, Uta Smesny, Robert Steinbach, Julian Grosskreutz, Bettina Göricke, Sarah Bernsen, Patrick Weydt, Rachel Fabian, Susanne Petri, Rea Lumi, Bogdan Bjelica, Matthias Boentert, Paul Lingor, Dagmar Kettemann, Jenny Norden, Bertram Walter, Alessio Riitano, Peggy Schumann, Christoph Münch, Susanne Spittel

Zusam­men­fas­sung

Ziel­set­zung: Ziel der Stu­die war es, die aus Sicht von Men­schen mit ALS gerings­te bedeut­sa­me Ver­lang­sa­mung des Krank­heits­ver­laufs zu bestim­men, die sie von einem krank­heits­mo­di­fi­zie­ren­den Medi­ka­ment erwar­ten wür­den.

Metho­den: In einer Befra­gung wur­den Men­schen mit ALS gefragt: „Ab wel­cher Ver­lang­sa­mung der ALS, gemes­sen mit der über­ar­bei­te­ten ALS-Funk­ti­ons­ska­la (ALSFRS‑R), hal­ten Sie ein Medi­ka­ment für bedeut­sam?“ Die Daten wur­den ent­we­der wäh­rend eines Ambu­lanz­ter­mins oder digi­tal über die ALS-App erho­ben.

Die Teil­neh­men­den wur­den anhand ihrer indi­vi­du­el­len ALS-Pro­gres­si­ons­ra­te in drei Grup­pen ein­ge­teilt:

  • lang­sa­mer Krank­heits­ver­lauf: weni­ger als 0,5 ALS­FRS-R-Punk­te pro Monat,
  • mitt­le­rer Krank­heits­ver­lauf: 0,5 bis 1,0 Punk­te pro Monat,
  • schnel­ler Krank­heits­ver­lauf: mehr als 1,0 Punkt pro Monat.

Ergeb­nis­se: Von 522 Teil­neh­men­den beant­wor­te­ten 395 Per­so­nen (75,7 Pro­zent) die Fra­ge nach der gerings­ten bedeut­sa­men Ver­lang­sa­mung. Davon nutz­ten 397 Per­so­nen die ALS-App und 125 nah­men wäh­rend eines Ambu­lanz­ter­mins teil. Ins­ge­samt 127 Per­so­nen (24,3 Pro­zent) wähl­ten die Ant­wort „Kann ich nicht ein­schät­zen“.

Die Erwar­tun­gen ver­teil­ten sich wie folgt:

  • gerin­ge Ver­lang­sa­mung um 5 oder 10 Pro­zent: 146 Per­so­nen (36,9 Pro­zent),
  • mitt­le­re Ver­lang­sa­mung um 20, 30 oder 40 Pro­zent: 135 Per­so­nen (34,2 Pro­zent),
  • star­ke Ver­lang­sa­mung um min­des­tens 50 Pro­zent: 114 Per­so­nen (28,9 Pro­zent).

Der Medi­an der gerings­ten als bedeut­sam ange­se­he­nen Ver­lang­sa­mung lag bei 20 Pro­zent. Die mitt­le­ren 50 Pro­zent der Ant­wor­ten lagen zwi­schen 10 und 50 Pro­zent.

Men­schen mit einem schnel­le­ren Krank­heits­ver­lauf bewer­te­ten häu­fi­ger erst eine star­ke Ver­lang­sa­mung als bedeut­sam. Dies traf auf 36 Pro­zent die­ser Grup­pe zu. Bei Men­schen mit einem lang­sa­me­ren Ver­lauf waren es 25,2 Pro­zent.

Schluss­fol­ge­rung: Ein erheb­li­cher Teil der Teil­neh­men­den betrach­te­te bereits eine gerin­ge Ver­lang­sa­mung des ALS-Ver­laufs als bedeut­sa­men Behand­lungs­ef­fekt. Nahe­zu eben­so häu­fig wur­den eine mitt­le­re oder star­ke Ver­lang­sa­mung erwar­tet. Die Erwar­tun­gen unter­schie­den sich in Abhän­gig­keit von der indi­vi­du­el­len Geschwin­dig­keit des Krank­heits­ver­laufs.

Die­se Erkennt­nis­se kön­nen bei der Pla­nung zukünf­ti­ger kli­ni­scher Stu­di­en zur ALS berück­sich­tigt wer­den. Zu den Ein­schrän­kun­gen der Unter­su­chung gehö­ren mög­li­che Ver­zer­run­gen bei der Aus­wahl der Teil­neh­men­den und der Beant­wor­tung sowie die über­wie­gend digi­ta­le Daten­er­he­bung.