ALS motor phenotypes: a revised 'OPM' classification

PMID: 41843813
Autoren: Thomas Meyer, Nicola Ticozzi, Markus Weber, John Ravits, Paul Lingor, Magdalena Kuźma-Kozakiewicz, Matthias Boentert, Torsten Grehl, Philippe Corcia, Mónica Povedano Panadés, André Maier, Caroline Ingre, Hakan Cetin, Patrick Weydt, Christian Lunetta, Leonard van den Berg, Albert C. Ludolph, David Brenner, Martin R Turner, Angela Genge

Zusam­men­fas­sung

Hin­ter­grund: Die Beschrei­bung moto­ri­scher Erschei­nungs­for­men der Amyo­tro­phen Late­ral­skle­ro­se (ALS) ist für eine indi­vi­du­ell aus­ge­rich­te­te Ver­sor­gung und die opti­ma­le Pla­nung kli­ni­scher The­ra­pie­stu­di­en von Bedeu­tung. Die ALS-OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on beruht auf drei Merk­ma­len: der Regi­on des Krank­heits­be­ginns (Onset, O), der Aus­brei­tung moto­ri­scher Sym­pto­me (Pro­pa­ga­ti­on, P) und dem Aus­maß der kli­ni­schen Funk­ti­ons­stö­rung des obe­ren und/oder unte­ren Moto­neu­rons (Motor neu­ron dys­func­tion, M).

Metho­den: Im Sep­tem­ber 2025 fand eine inter­na­tio­na­le Arbeits­grup­pe mit ALS-Exper­tin­nen und ‑Exper­ten statt. In einem anschlie­ßen­den Kon­sens­ver­fah­ren wur­den Über­ar­bei­tun­gen der OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on beschlos­sen.

Ergeb­nis­se: Die Kate­go­rie Krank­heits­be­ginn (O1–O4) beschreibt, in wel­cher Kör­per­re­gi­on die ers­ten moto­ri­schen Sym­pto­me auf­tre­ten:

  • O1: Kopf­be­reich,
  • O2d/p: kör­per­fer­ner oder kör­per­na­her Bereich des Arms,
  • O3r/a: Rumpf­be­reich mit Beein­träch­ti­gung der Atmung oder der Kör­per­ach­se,
  • O4d/p: kör­per­fer­ner oder kör­per­na­her Bereich des Beins.

Als Sym­pto­me des Krank­heits­be­ginns gel­ten Mus­kel­schwä­che oder ver­lang­sam­te und schlecht koor­di­nier­te will­kür­li­che Bewe­gun­gen der Kopf‑, Arm‑, Rumpf- oder Bein­mus­ku­la­tur. Dazu gehö­ren auch Sprech­stö­run­gen, Schluck­stö­run­gen, Stimm­stö­run­gen, Atem­not und eine Insta­bi­li­tät der Kör­per­ach­se.

Die Kate­go­rie Aus­brei­tung beschreibt, ob sich die moto­ri­schen Sym­pto­me von der Aus­gangs­re­gi­on auf eine wei­te­re Kör­per­re­gi­on aus­ge­brei­tet haben:

  • P1(n): Aus­brei­tung der Sym­pto­me,
  • P0(n): bis­her kei­ne Aus­brei­tung.

Der Wert „n“ bezeich­net die Anzahl der Mona­te zwi­schen dem Beginn der Sym­pto­me und ihrer Aus­brei­tung bezie­hungs­wei­se dem Zeit­punkt der Unter­su­chung.

Das Aus­maß der Funk­ti­ons­stö­rung des obe­ren Moto­neu­rons wird anhand ver­lang­sam­ter und schlecht koor­di­nier­ter will­kür­li­cher Bewe­gun­gen, gestei­ger­ter Refle­xe, einer spas­tisch erhöh­ten Mus­kel­span­nung und/oder emo­tio­na­ler Labi­li­tät beur­teilt. Eine Funk­ti­ons­stö­rung des unte­ren Moto­neu­rons zeigt sich durch Mus­kel­schwä­che mit beglei­ten­dem Mus­kel­schwund.

Die Betei­li­gung der Moto­neu­ro­nen wird wie folgt ein­ge­teilt:

  • M0: aus­ge­wo­ge­ne Funk­ti­ons­stö­rung des obe­ren und unte­ren Moto­neu­rons,
  • M1d: über­wie­gen­de Funk­ti­ons­stö­rung des obe­ren Moto­neu­rons,
  • M1p: aus­schließ­li­che Funk­ti­ons­stö­rung des obe­ren Moto­neu­rons,
  • M2d: über­wie­gen­de Funk­ti­ons­stö­rung des unte­ren Moto­neu­rons,
  • M2p: aus­schließ­li­che Funk­ti­ons­stö­rung des unte­ren Moto­neu­rons,
  • M3: unter­schied­lich ver­teil­te Betei­li­gung des obe­ren und unte­ren Moto­neu­rons; dabei zei­gen die Arme über­wie­gend Zei­chen des unte­ren und die Bei­ne über­wie­gend Zei­chen des obe­ren Moto­neu­rons.

Schluss­fol­ge­rung: Die über­ar­bei­te­te ALS-OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on soll eine stan­dar­di­sier­te, pra­xis­taug­li­che und ein­fach umsetz­ba­re Erfas­sung der moto­ri­schen ALS-Erschei­nungs­for­men ermög­li­chen. Sie ist für den Ein­satz in der kli­ni­schen Ver­sor­gung und in The­ra­pie­stu­di­en vor­ge­se­hen.