Motor phenotypes and neurofilament light chain in genetic amyotrophic lateral sclerosis—results from a multicenter screening program

PMID: 41388206
Autoren: Philipp Schmitt, Peggy Schumann, Alexander Koerbs, Hsuen-Ju Lin, Torsten Grehl, Ute Weyen, Susanne Petri, Annekathrin Rödiger, Robert Steinbach, Julian Großkreutz, Sarah Bernsen, Patrick Weydt, Joachim Wolf, René Günther, Petra Baum, Moritz Metelmann, Jochen H. Weishaupt, Berthold Streubel, David C. Kasper, Yasemin Koc, Dagmar Kettemann, Jenny Norden, Bertram Walter, Christoph Münch, Susanne Spittel, André Maier, Péter Körtvélyessy, Thomas Meyer

Zusam­men­fas­sung

Ziel­set­zung: Bei gene­tisch beding­ten For­men der Amyo­tro­phen Late­ral­skle­ro­se (ALS) sind die kli­ni­schen Erschei­nungs­for­men, der Krank­heits­ver­lauf und die Kon­zen­tra­ti­on der leich­ten Neu­ro­fi­la­mentket­te (NfL) bis­lang nicht voll­stän­dig cha­rak­te­ri­siert.

Metho­den: In einer Gesamt­grup­pe von 1.988 Men­schen mit ALS wur­de eine Unter­grup­pe mit gene­tisch beding­ter ALS unter­sucht. Dazu gehör­ten 137 Per­so­nen mit einer Ver­än­de­rung im C9or­f72-Gen, 54 mit einer SOD1-Vari­an­te, 27 mit einer TARDBP-Vari­an­te und 19 mit einer FUS-Vari­an­te.

Die Regi­on des Krank­heits­be­ginns, die Aus­brei­tung der Sym­pto­me und die Betei­li­gung des obe­ren und unte­ren Moto­neu­rons wur­den anhand der OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on unter­sucht. Zusätz­lich wur­de die Kon­zen­tra­ti­on der leich­ten Neu­ro­fi­la­mentket­te im Serum (sNfL) bestimmt und mit der ALS-Pro­gres­si­ons­ra­te in Bezie­hung gesetzt. Die Pro­gres­si­ons­ra­te wur­de anhand der monat­li­chen Ver­än­de­rung der über­ar­bei­te­ten ALS-Funk­ti­ons­ska­la (ALSFRS‑R) berech­net.

Um die Höhe der NfL-Kon­zen­tra­ti­on im Ver­hält­nis zur Pro­gres­si­ons­ra­te zu bestim­men, wur­de außer­dem der log­arith­mier­te NfL-Index berech­net. Die­ser beschreibt das Ver­hält­nis zwi­schen sNfL und der Geschwin­dig­keit des Krank­heits­ver­laufs.

Ergeb­nis­se: Bei der C9or­f72-asso­zi­ier­ten ALS trat häu­fig ein bul­bä­rer Krank­heits­be­ginn auf (42,6 Pro­zent). Die­se Form zeig­te eine höhe­re Pro­gres­si­ons­ra­te, die höchs­ten NfL-Wer­te und den höchs­ten NfL-Index.

Die SOD1-asso­zi­ier­te ALS begann über­wie­gend an den Armen oder Bei­nen (96,1 Pro­zent). Sie war mit einer lang­sa­me­ren Pro­gres­si­ons­ra­te ver­bun­den, wies jedoch hohe NfL-Wer­te und einen ver­gleich­bar hohen NfL-Index auf.

Auch die FUS-asso­zi­ier­te ALS begann meist an den Armen oder Bei­nen (82,4 Pro­zent). Bei 70,6 Pro­zent der Betrof­fe­nen stand eine Funk­ti­ons­stö­rung des unte­ren Moto­neu­rons im Vor­der­grund. Die Geschwin­dig­keit des Krank­heits­ver­laufs reich­te von schnel­le­ren bis zu lang­sa­me­ren Ver­läu­fen. Die NfL-Wer­te und der NfL-Index waren nied­ri­ger als bei C9or­f72- und SOD1-ALS.

Die TARDBP-asso­zi­ier­te ALS zeig­te die nied­rigs­te Pro­gres­si­ons­ra­te sowie die nied­rigs­ten NfL-Wer­te und den nied­rigs­ten NfL-Index der unter­such­ten gene­ti­schen Grup­pen.

Schluss­fol­ge­rung: Bei der C9or­f72-asso­zi­ier­ten ALS ähneln die kli­ni­sche Erschei­nungs­form und das NfL-Pro­fil der typi­schen ALS. Dage­gen zei­gen die SOD1‑, FUS- und TARDBP-asso­zi­ier­ten For­men jeweils cha­rak­te­ris­ti­sche kli­ni­sche Erschei­nungs­for­men und unter­schied­li­che NfL-Mus­ter.

Die­se Unter­schie­de sind für die indi­vi­du­el­le Pro­gno­se­be­ra­tung, die Pla­nung kli­ni­scher Stu­di­en und die Ein­schät­zung mög­li­cher Behand­lungs­er­geb­nis­se von Bedeu­tung. Dar­über hin­aus kön­nen sie zu einem bes­se­ren Ver­ständ­nis der Krank­heits­me­cha­nis­men bei ALS bei­tra­gen.