Medikament Ulefnersen gegen FUS-ALS – Phase 3-Studie zeigt positive Ergebnisse  

Das Medi­ka­ment Ulef­ner­sen gegen FUS-ALS wur­de vom US-ame­ri­ka­ni­schen Bio­tech-Unter­neh­men Ionis Phar­maceu­ti­cals ent­wi­ckelt. Im Jahr 2024 hat das japa­ni­sche Unter­neh­men Otsuka die wei­te­re kli­ni­sche Ent­wick­lung und Markt­ein­füh­rung von Ulef­ner­sen über­nom­men. Bei­de Unter­neh­men haben in einer gemein­sa­men Pres­se­er­klä­rung posi­ti­ve Ergeb­nis­se der inter­na­tio­na­len Pha­se-3-Stu­die FUSI­ON zu Ulef­ner­sen bekannt gege­ben. Die Stu­die unter­such­te den Wirk­stoff bei Men­schen mit FUS-ALS, einer sel­te­nen gene­ti­schen Form der ALS, die bei etwa 1% aller ALS-Pati­en­ten als Ursa­che der ALS vor­liegt.

Unter der Behand­lung mit Ulef­ner­sen zeig­te sich im Ver­gleich zu Pla­ce­bo eine sta­tis­tisch signi­fi­kan­te Ver­lang­sa­mung der ALS – ermit­telt durch die ALS-Funk­ti­ons­ska­la (ALSFRS‑R) – sowie eine Ver­bes­se­rung des Über­le­bens. Auch der Bio­mar­ker Neu­ro­fi­la­ment-Leicht­ket­te (NfL) zeig­te eine signi­fi­kan­te Abnah­me wäh­rend der The­ra­pie. NfL gilt als Bio­mar­ker für die Schä­di­gung von Ner­ven­zel­len und wird in kli­ni­schen Stu­di­en zuneh­mend als Kri­te­ri­um der Wirk­sam­keit genutzt.

Über FUS-ALS

FUS-ALS ist eine sel­te­ne gene­ti­sche Form der ALS, die bereits in sehr jun­gen Jah­ren, aber auch bei älte­ren Betrof­fe­nen vor­kom­men kann. Das Erschei­nungs­bild ist sehr hete­ro­gen und kann von einer schnel­len ALS-Pro­gres­si­on bis zu sehr lang­sam Ver­läu­fen rei­chen. Ins­ge­samt ist eine gene­ti­sche Tes­tung not­wen­dig, um das Vor­lie­gen einer FUS-Muta­ti­on aus­zu­schlie­ßen. Mit der Ver­füg­bar­keit des Medi­ka­men­tes Ulef­ner­sen ist es bei allen Men­schen mit ALS emp­feh­lens­wert, eine gene­ti­sche Tes­tung des FUS-Gens vor­zu­neh­men. Damit wird die­ses Gen – neben dem SOD1-Gen mit einer The­ra­pie durch Tofer­sen – zu einem zwei­ten ALS-Gen mit einer the­ra­peu­ti­schen Rele­vanz. Die krank­heits­ver­ur­sa­chen­den Ver­än­de­run­gen im FUS-Gen füh­ren dazu, dass sich FUS-Pro­te­ine in den Moto­neu­ro­nen ansam­meln und durch einen noch unbe­kann­ten Pro­zess zu einer Schä­di­gung der moto­ri­schen Ner­ven­zel­len füh­ren.

Über Ulef­ner­sen

Ulef­ner­sen ist ein gene­ti­sches Medi­ka­ment, das auf Ebe­ne der FUS-RNA ansetzt und die Bil­dung des schäd­li­chen FUS-Pro­te­ins redu­ziert. Die Ver­ab­rei­chung erfolgt als intra­the­ka­le Injek­ti­on direkt in den Liquor­raum. Ulef­ner­sen zeig­te in der FUSI­ON-Stu­die ein güns­ti­ges Sicher­heits- und Ver­träg­lich­keits­pro­fil. Die meis­ten uner­wünsch­ten Ereig­nis­se waren leicht oder mode­rat aus­ge­prägt. Die voll­stän­di­ge Aus­wer­tung der Sicher­heits- und Wirk­sam­keits­da­ten soll durch wei­te­re vor­ab fest­ge­leg­te und explo­ra­ti­ve Ana­ly­sen ergänzt wer­den.

Über NfL

Durch die mul­ti­zen­tri­sche Bio­mar­ker-Stu­die NfL-ALS 3.3, die durch Unter­stüt­zung der Boris Canes­sa ALS-Stif­tung durch­ge­führt wird, bestehen in Deutsch­land beson­ders umfang­rei­che Erfah­rung und Daten zum Bio­mar­ker NfL, so dass die Reduk­ti­on von NfL durch Ulef­ner­sen als beson­ders posi­tiv zu wer­ten ist.

Der Weg zur Zulas­sung

Otsuka und Ionis tre­ten jetzt in Ver­hand­lung mit der US-ame­ri­ka­ni­schen Arz­nei­mit­tel­be­hör­de FDA. Erfah­rungs­ge­mäß fin­den par­al­lel dazu Ver­hand­lun­gen mit der euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel­agen­tur EMA statt. Wei­ter­hin ist damit zu rech­nen, dass Otsuka bereits vor der Zulas­sung das Medi­ka­ment im Rah­men eines Son­der­pro­gramms für Men­schen mit FUS-ALS kos­ten­frei zur Ver­fü­gung stellt (Expan­ded Access Pro­gram, EAP). Die­se Infor­ma­tio­nen wer­den übli­cher­wei­se durch das Bun­des­in­sti­tut für Arz­nei­mit­tel­me­di­zin­pro­duk­te (BfArM) ver­öf­fent­licht. Wir wer­den auf die­ser Web­sei­te über die wei­te­ren Ent­wick­lun­gen zur Bereit­stel­lung des Medi­ka­men­tes im Rah­men eines EAP und über die Zulas­sung infor­mie­ren.

Links:

Pres­se­mit­tei­lung von Otsuka

Ankün­di­gung von EAP durch Otsuka

Mul­ti­zen­tri­sche Publi­ka­ti­on zur gene­ti­schen ALS, ein­schließ­lich FUS-ALS in Deutsch­land

Schmitt P, Schu­mann P, Koerbs A, et al. Motor phe­no­ty­pes and neu­ro­fi­la­ment light chain in gene­tic amyo­tro­phic late­ral scle­ro­sis-results from a mul­ti­cen­ter scree­ning pro­gram. J Neu­rol. 2025;273(1):22. Published 2025 Dec 12. doi:10.1007/s00415-025–13555‑6

Stu­di­en zum Bio­mar­ker NfL in Deutsch­land:

Mey­er T, Dre­ger M, Grehl T, et al.
Serum neu­ro­fi­la­ment light chain in distinct phe­no­ty­pes of amyo­tro­phic late­ral scle­ro­sis: A lon­gi­tu­di­nal, mul­ti­cen­ter stu­dy.
Eur J Neu­rol. 2024;31(9):e16379. doi:10.1111/ene.16379

Mey­er T, Sal­kic E, Grehl T, et al.
Per­for­mance of serum neu­ro­fi­la­ment light chain in a wide spec­trum of cli­ni­cal cour­ses of amyo­tro­phic late­ral sclerosis‑a cross-sec­tion­al mul­ti­cen­ter stu­dy.
Eur J Neu­rol. 2023;30(6):1600–1610. doi:10.1111/ene.15773

Autor: Prof. Dr. Tho­mas Mey­er


23. September 2026