Serum neurofilament light chain in distinct phenotypes of amyotrophic lateral sclerosis: A longitudinal, multicenter study

PMID: 38859579
Autoren: Thomas Meyer, Marie Dreger, Torsten Grehl, Ute Weyen, Dagmar Kettemann, Patrick Weydt, René Günther, Paul Lingor, Susanne Petri, Jan Christoph Koch, Julian Großkreutz, Annekathrin Rödiger, Petra Baum, Andreas Hermann, Johannes Prudlo, Matthias Boentert, Jochen H. Weishaupt, Wolfgang N. Löscher, Johannes Dorst, Yasemin Koc, Sarah Bernsen, Isabell Cordts, Maximilian Vidovic, Robert Steinbach, Moritz Metelmann, Vera E. Kleinveld, Jenny Norden, Albert Ludolph, Bertram Walter, Peggy Schumann, Christoph Münch, Péter Körtvélyessy, André Maier

Zusam­men­fas­sung

Ziel­set­zung: Ziel der Stu­die war es, die Bedeu­tung der leich­ten Neu­ro­fi­la­mentket­te im Serum (sNfL) bei ver­schie­de­nen kli­ni­schen Erschei­nungs­for­men der Amyo­tro­phen Late­ral­skle­ro­se (ALS) zu unter­su­chen.

Metho­den: Bei 2.949 Men­schen mit ALS an 16 ALS-Zen­tren in Deutsch­land und Öster­reich wur­den kli­ni­sche Merk­ma­le und die sNfL-Kon­zen­tra­ti­on erfasst. Die kli­ni­schen Erschei­nungs­for­men wur­den anhand zwei­er Kri­te­ri­en unter­schie­den:

  1. Betei­li­gung des obe­ren und/oder unte­ren Moto­neu­rons: typi­sche ALS (typMN), vor­wie­gen­de Betei­li­gung des obe­ren Moto­neu­rons (UMNp), vor­wie­gen­de Betei­li­gung des unte­ren Moto­neu­rons (LMNp) und pri­mä­re Late­ral­skle­ro­se (PLS).
  2. Kör­per­re­gi­on des Krank­heits­be­ginns und der wei­te­ren Aus­brei­tung: bul­bä­rer Beginn, Beginn an Armen oder Bei­nen, Flail-Arm-Syn­drom, Flail-Leg-Syn­drom und Beginn im Rumpf­be­reich.

Anschlie­ßend wur­den die kli­ni­schen Erschei­nungs­for­men mit der sNfL-Kon­zen­tra­ti­on, der Geschwin­dig­keit des Krank­heits­ver­laufs und der Über­le­bens­zeit in Bezie­hung gesetzt.

Ergeb­nis­se: Im Ver­gleich zur typi­schen ALS mit einer mitt­le­ren sNfL-Kon­zen­tra­ti­on von 75,7 pg/ml waren die Wer­te bei vor­wie­gen­der Betei­li­gung des unte­ren Moto­neu­rons (45,1 pg/ml), vor­wie­gen­der Betei­li­gung des obe­ren Moto­neu­rons (58,7 pg/ml) und bei PLS (37,6 pg/ml) deut­lich nied­ri­ger.

Auch in Abhän­gig­keit von der Kör­per­re­gi­on des Krank­heits­be­ginns zeig­ten sich Unter­schie­de. Die mitt­le­ren sNfL-Wer­te betru­gen:

  • 92,7 pg/ml bei bul­bä­rem Beginn,
  • 64,1 pg/ml bei Beginn an Armen oder Bei­nen,
  • 46,4 pg/ml beim Flail-Arm-Syn­drom,
  • 53,6 pg/ml beim Flail-Leg-Syn­drom und
  • 74,5 pg/ml bei Beginn im Rumpf­be­reich.

Den stärks­ten Zusam­men­hang mit erhöh­ten sNfL-Wer­ten zeig­ten ein schnel­le­rer Krank­heits­ver­lauf und ein bul­bä­rer Krank­heits­be­ginn. Dage­gen waren PLS, eine vor­wie­gen­de Betei­li­gung des unte­ren Moto­neu­rons und ein Krank­heits­be­ginn im Rumpf­be­reich mit nied­ri­ge­ren sNfL-Wer­ten ver­bun­den.

Bei wie­der­hol­ten Mes­sun­gen über einen Zeit­raum von durch­schnitt­lich zwölf Mona­ten blie­ben die sNfL-Wer­te in allen kli­ni­schen Erschei­nungs­for­men weit­ge­hend sta­bil. Die monat­li­chen Ver­än­de­run­gen lagen unter 0,2 Pro­zent. Zudem bestä­tig­te die Stu­die den Zusam­men­hang zwi­schen sNfL und der Über­le­bens­zeit.

Schluss­fol­ge­run­gen: Die Stu­die zeigt, dass die sNfL-Kon­zen­tra­ti­on bei ALS wesent­lich von der kli­ni­schen Erschei­nungs­form, der betrof­fe­nen Moto­neu­ro­nen­art und der Regi­on des Krank­heits­be­ginns beein­flusst wird. Die­se Fak­to­ren ste­hen außer­dem mit der Geschwin­dig­keit des Krank­heits­ver­laufs und der Über­le­bens­zeit in Zusam­men­hang.

Bei der Aus­wer­tung von sNfL-Wer­ten in kli­ni­schen Stu­di­en und in der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung müs­sen die unter­schied­li­chen ALS-For­men daher als eigen­stän­di­ge Ein­fluss­fak­to­ren berück­sich­tigt wer­den.