Zusammenfassung
Einleitung und Zielsetzung: Für die durch Veränderungen im SOD1-Gen verursachte Amyotrophe Lateralsklerose (SOD1-ALS) erhielt Tofersen in den USA eine beschleunigte Zulassung. Außerhalb der USA ist das Medikament über Härtefallprogramme beziehungsweise Programme für einen erweiterten Zugang verfügbar. In dieser multizentrischen Studie wurden klinische Behandlungsergebnisse, Einschätzungen der Patientinnen und Patienten sowie die Konzentration der leichten Neurofilamentkette im Serum (sNfL) während einer Tofersen-Behandlung im Rahmen eines deutschen Härtefallprogramms untersucht.
Methoden: Ausgewertet wurden die Daten von 16 Menschen mit SOD1-ALS, die mindestens sechs Monate mit Tofersen behandelt worden waren. Untersucht wurden die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs anhand der monatlichen Veränderung der überarbeiteten ALS-Funktionsskala (ALSFRS‑R), die langsame Vitalkapazität (SVC) als Maß der Atemfunktion und die sNfL-Konzentration.
Zusätzlich wurden die von den Teilnehmenden selbst berichteten Behandlungsergebnisse mit verschiedenen Fragebögen erfasst. Dazu gehörten der Measure Yourself Medical Outcome Profile (MYMOP2), der Treatment Satisfaction Questionnaire for Medication (TSQM‑9) und der Net Promoter Score (NPS).
Ergebnisse: Die mittlere Behandlungsdauer mit Tofersen betrug elf Monate und reichte von sechs bis 18 Monaten. Die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs verringerte sich relativ um durchschnittlich 25 Prozent. Bei sieben Teilnehmenden erhöhte sich der ALSFRS-R-Wert.
Die Atemfunktion blieb im Mittel stabil. Die langsame Vitalkapazität lag durchschnittlich bei 88 Prozent; die individuellen Veränderungen reichten von einer Abnahme um 15 Prozent bis zu einer Zunahme um 28 Prozent.
Bei allen Teilnehmenden mit Ausnahme einer Person, die eine heterozygote D91A-SOD1-Variante trug, sank die sNfL-Konzentration. Im Durchschnitt betrug die Abnahme 58 Prozent. Die individuellen Veränderungen reichten von einer Abnahme um 91 Prozent bis zu einer Zunahme um 27 Prozent.
In der Selbsteinschätzung berichteten zehn Teilnehmende über eine Verbesserung ihrer Beschwerden. Sechs Personen nahmen zumindest ein teilweises Ansprechen auf die Behandlung wahr. Die allgemeine Behandlungszufriedenheit war mit durchschnittlich 83 von 100 Punkten hoch. Die praktische Durchführung der Medikamentengabe wurde mit durchschnittlich 50 Punkten jedoch nur mäßig bewertet. Der Net Promoter Score von +80 zeigte eine sehr hohe Bereitschaft, die Behandlung mit Tofersen weiterzuempfehlen.
Schlussfolgerungen: Die Daten aus dem deutschen Härtefallprogramm unterstützen ein klinisches und biomarkerbezogenes Ansprechen auf Tofersen bei SOD1-ALS. Auch die Einschätzungen der Patientinnen und Patienten zeigen eine überwiegend positive Wahrnehmung der Behandlung unter den Bedingungen der medizinischen Praxis.