ALS-App ermöglicht engmaschige Erfassung des Krankheitsverlaufs

Die ALS-Funk­ti­ons­ska­la ALSFRS‑R erfasst, wie sich wich­ti­ge Fähig­kei­ten wie Spre­chen, Schlu­cken, Bewe­gen und Atmen im Krank­heits­ver­lauf ver­än­dern. Übli­cher­wei­se wird sie bei einem Ter­min im ALS-Zen­trum erho­ben. Eine Stu­die der ALS-Ambu­lanz an der Cha­ri­té in Ber­lin unter­such­te, ob Betrof­fe­ne die Ska­la zusätz­lich selbst­stän­dig über einen Com­pu­ter oder die ALS-App aus­fül­len kön­nen.

Zwi­schen 2017 und 2021 betei­lig­ten sich zwölf deut­sche ALS-Zen­tren an der Unter­su­chung. Von rund 4.670 betreu­ten Men­schen mit ALS über­mit­tel­ten 971 — etwa 21 Pro­zent — ihre Anga­ben digi­tal. Mehr als die Hälf­te die­ser Teil­neh­men­den füll­te den Fra­ge­bo­gen min­des­tens vier­mal pro Jahr aus. Mit der App erfolg­te die Doku­men­ta­ti­on häu­fi­ger als am Com­pu­ter: durch­schnitt­lich 14,6 gegen­über 7,9 Erfas­sun­gen pro Jahr.

Auch Men­schen mit weit fort­ge­schrit­te­ner ALS konn­ten die digi­ta­le Befra­gung nut­zen — teil­wei­se mit Unter­stüt­zung einer betreu­en­den Per­son. Aller­dings nah­men ins­ge­samt häu­fi­ger Män­ner und weni­ger stark beein­träch­tig­te Betrof­fe­ne teil .

Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass die digi­ta­le Selbst­ein­schät­zung den Krank­heits­ver­lauf zwi­schen den Ambu­lanz­ter­mi­nen eng­ma­schi­ger abbil­den kann. Sie kann die per­sön­li­che Unter­su­chung im ALS-Zen­trum ergän­zen und mög­li­cher­wei­se die indi­vi­du­el­le Ver­sor­gung sowie kli­ni­sche For­schung unter­stüt­zen. Da nur etwa ein Fünf­tel der betreu­ten Per­so­nen teil­nahm, müs­sen jedoch bestehen­de Zugangs­hür­den und Grün­de für eine unre­gel­mä­ßi­ge Nut­zung wei­ter unter­sucht wer­den.


5. September 2022