Motorunterstützte Bewegungstrainer bei ALS: Studie zeigt hohe Zufriedenheit

Motor­un­ter­stütz­te Bewe­gungs­trai­ner ermög­li­chen Men­schen mit ALS ein regel­mä­ßi­ges Trai­ning der Arme oder Bei­ne im häus­li­chen Umfeld. Eine Stu­die der ALS Ambu­lanz der Cha­ri­té unter­such­te, wie häu­fig die Gerä­te genutzt wer­den und wel­chen per­sön­li­chen Nut­zen die Betrof­fe­nen wahr­neh­men. An der Unter­su­chung waren zehn deut­sche ALS-Zen­tren und die For­schungs­platt­form Ambu­lanz­part­ner betei­ligt. Die Ergeb­nis­se wur­den in der Fach­zeit­schrift Sci­en­ti­fic Reports ver­öf­fent­licht.

Aus­ge­wer­tet wur­den die Anga­ben von 144 Men­schen mit ALS. Die Mehr­heit trai­nier­te regel­mä­ßig: 59 Pro­zent nutz­ten den Bewe­gungs­trai­ner min­des­tens fünf­mal pro Woche – meist zusätz­lich zur Phy­sio­the­ra­pie.

Vie­le Teil­neh­men­de berich­te­ten über posi­ti­ve Erfah­run­gen. Beson­ders häu­fig genannt wur­den ein stär­ke­res Erfolgs­er­leb­nis (67 Pro­zent), weni­ger stei­fe Glied­ma­ßen (63 Pro­zent), ein gerin­ge­res Gefühl der Unbe­weg­lich­keit (61 Pro­zent), ein bes­se­res all­ge­mei­nes Wohl­be­fin­den (55 Pro­zent) und eine Abnah­me der Mus­kel­stei­fig­keit (52 Pro­zent). Betrof­fe­ne mit stär­ker aus­ge­präg­ter Mus­kel­schwä­che nah­men zudem häu­fi­ger einen posi­ti­ven Ein­fluss auf den Erhalt oder die Ver­bes­se­rung ihrer Mus­kel­kraft wahr.

Auch die Bereit­schaft, den Bewe­gungs­trai­ner ande­ren Men­schen mit ALS zu emp­feh­len, war mit einem Net Pro­mo­ter Score von +61 hoch. Ins­ge­samt gaben die meis­ten Teil­neh­men­den an, ihre per­sön­li­chen Behand­lungs­zie­le erreicht zu haben.

Bei der Ein­ord­nung ist zu beach­ten, dass es sich um eine beob­ach­ten­de Quer­schnitts­stu­die han­delt. Erfasst wur­den vor allem die sub­jek­ti­ven Erfah­run­gen der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer. Die Unter­su­chung kann daher nicht bewei­sen, dass Bewe­gungs­trai­ner den Krank­heits­ver­lauf ver­lang­sa­men oder die Mus­kel­kraft objek­tiv erhal­ten.

Die Ergeb­nis­se spre­chen den­noch dafür, motor­un­ter­stütz­tes Bewe­gungs­trai­ning als ergän­zen­den Bestand­teil einer umfas­sen­den ALS-Ver­sor­gung ein­zu­set­zen. Wel­che Trai­nings­häu­fig­keit und Belas­tung geeig­net sind, soll­te indi­vi­du­ell mit dem behan­deln­den Team sowie der Phy­sio­the­ra­pie abge­stimmt wer­den.

Anga­ben zur Publi­ka­ti­on: Mai­er A, Gaud­litz M, Grehl T, Wey­en U, Stein­bach R, Gross­kreutz J, Rödi­ger A, Koch JC, Len­gen­feld T, Weydt P, Gün­ther R, Wolf J, Baum P, Metel­mann M, Dorst J, Ludolph AC, Ket­te­mann D, Nor­den J, Koc RY, Wal­ter B, Hil­de­brandt B, Münch C, Mey­er T, Spit­tel S. Use and sub­jec­ti­ve expe­ri­ence of the impact of motor-assis­ted move­ment exer­cisers in peo­p­le with amyo­tro­phic late­ral scle­ro­sis: a mul­ti­cen­ter obser­va­tio­nal stu­dy. Sci Rep. 2022 Jun 10;12(1):9657. doi: 10.1038/s41598-022–13761‑6. PMID: 35688956; PMCID: PMC9187150.


30. Juni 2022