Aktualisierte ALS-OPM-Klassifikation (Version 3.3) veröffentlicht

Im März 2026 wur­de eine aktua­li­sier­te Ver­si­on der ALS-OPM-Phä­no­ty­pen-Klas­si­fi­ka­ti­on (Ver­si­on 3.3) ver­öf­fent­licht. Die Über­ar­bei­tung („Revi­si­on“) war das Ergeb­nis eines inter­na­tio­na­len Sym­po­si­ums im Sep­tem­ber 2025 in Ber­lin, an dem 20 inter­na­tio­na­le ALS-Exper­ten teil­ge­nom­men haben. Die ers­te ALS-OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on (Ver­si­on 3.1) wur­de im April 2025 publi­ziert und seit­dem in spe­zia­li­sier­ten ALS-Zen­tren und Schwer­punkt­pra­xen in Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz ver­wen­det. 

Die ALS-OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on ist rele­vant, da sie zur Ermitt­lung des Krank­heits­ver­laufs bei­trägt. Die ALS-Phä­no­ty­pen haben sich als wich­ti­ge Pro­gno­se­fak­to­ren erwie­sen. Die ALS-OPM-Phä­no­ty­pen bestehen aus 3 Kom­po­nen­ten: 1) Ort des Sym­ptom­be­ginns („O“), 2) die Pro­pa­ga­ti­on („Aus­brei­tung“) („P“) mit der sich die moto­ri­schen Sym­pto­me vom Aus­gangs­ort auf ande­re Kör­per­re­gio­nen aus­brei­ten; und 3) das Aus­maß der Moto­neu­ron-Sym­pto­me („M“), da die ALS das ers­te Moto­neu­ron (1.MN) und/oder das zwei­te Moto­neu­ron (2. MN) unter­schied­lich stark betref­fen kann. Für jeden Pati­en­ten las­sen sich die­se drei Kom­po­nen­ten indi­vi­du­ell bestim­men. 

Die wesent­li­che Ände­rung der aktua­li­sier­ten ALS-OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on betrifft die Pro­pa­ga­ti­on. Bis­her wur­de zwi­schen einer frü­hen Pro­pa­ga­ti­on (ear­ly pro­pa­ga­ti­on, PE; inner­halb von zwölf Mona­ten) und einer spä­ten Pro­pa­ga­ti­on (later pro­pa­ga­ti­on, PL; nach zwölf Mona­ten) unter­schie­den. In der revi­dier­ten Form von ALS-OPM wird die Pro­pa­ga­ti­on genau­er ermit­telt. Dabei wird die Anzahl der Mona­te vom Krank­heits­be­ginn (zum Bei­spiel am Arm) bis zur Pro­pa­ga­ti­on (P1) auf die nächs­te, ver­ti­kal gele­ge­ne Regi­on (zum Bei­spiel Bein oder Kopf) bestimmt, wobei die Anzahl der Mona­te in Klam­mern ange­ge­ben wird (P1(n), n= Anzahl der Mona­te). Besteht bei­spiels­wei­se eine Schwä­che des rech­ten Armes seit Febru­ar, gefolgt von einer Schwä­che des rech­ten Bei­nes im Okto­ber des Jah­res, so wird die Pro­pa­ga­ti­on als P1(8) bezeich­net. In glei­cher Wei­se wird das Aus­blei­ben einer Pro­pa­ga­ti­on (P0) doku­men­tiert. Besteht bei­spiels­wei­se eine Schwä­che des rech­ten Armes seit Febru­ar und in einer neu­ro­lo­gi­schen Unter­su­chung im Okto­ber des Jah­res zeigt sich kei­ne Schwä­che an Kopf, Rumpf oder Bein, so wird die Pro­pa­ga­ti­on als P0(8) bezeich­net. 

Die genaue­re Bestim­mung der Pro­pa­ga­ti­on bringt ihre Bedeu­tung für die Bestim­mung der ALS-Pro­gno­se zum Aus­druck. Die ver­ti­ka­le Aus­brei­tung von moto­ri­schen Sym­pto­men ist mit der pro­gnos­ti­schen Rele­vanz von Meta­sta­sen bei Krebs­er­kran­kun­gen ver­gleich­bar. Bei der ALS ist eine spä­te Pro­pa­ga­ti­on der Erkran­kung mit einer güns­ti­ge­ren Pro­gno­se ver­bun­den. Die genaue Bestim­mung der Monats­an­zahl bis zur Pro­pa­ga­ti­on (P1(n) ist für die zukünf­ti­ge ALS-For­schung von gro­ßem Inter­es­se. Die revi­dier­te ALS-OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on (v3.3) wird an Mai 2026 in das Pro­to­koll der NfL-ALS-Stu­die auf­ge­nom­men und zukünf­tig in der ALS-App ange­zeigt. 

Die ALS-OPM-Klas­si­fi­ka­ti­on ist ein wesent­li­ches Ele­ment von Pro­gno­se­mo­del­len der ALS – in Ver­bin­dung mit der ALS Func­tion­al Rating Sca­le (ALSFRS‑R) und Neu­ro­fi­la­ment light chain (NfL). ALS-OPM ist bedeut­sam, um die Pro­gno­se­be­stim­mung zu ver­bes­sern sowie zukünf­ti­ge ALS-The­ra­pie­stu­di­en exak­ter und effek­ti­ver zu gestal­ten. 

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen

ALS-OPM-Klas­si­fi­zie­rung der moto­ri­schen Phä­no­ty­pen. Der „Ort-Phä­no­typ“ wird nach dem Ort des Sym­ptom­be­ginns (Engl.: Onset = O) ermit­telt: Beginn am Kopf (O1), am dista­len Arm (O2d), pro­xi­ma­len Arm (O2p), am Arm ohne siche­re dista­le oder pro­xi­ma­le Zuord­nung (O2x), am Rumpf mit respi­ra­to­ri­scher Sym­pto­ma­tik (O3r), am Rumpf mit axia­ler Insta­bi­li­tät (O3a), am dista­len Bein (O4d), pro­xi­ma­len Bein (O4p) oder am Bein ohne siche­re dista­le oder pro­xi­ma­le Zuord­nung (O4x). Der „Pro­pa­ga­ti­on-Phä­no­typ“ beschreibt die Aus­brei­tung (= Pro­pa­ga­ti­on) der moto­ri­schen Sym­pto­me von der erst­be­trof­fe­nen Regi­on („Onset“-Region) auf eine ande­re, ver­ti­kal ent­fern­te Kör­per­re­gi­on. Dabei wird zwi­schen einer bereits erfolg­ten Pro­pa­ga­ti­on (P1) oder dem Feh­len einer Pro­pa­ga­ti­on (P0) unter­schie­den. Zusätz­lich wird die Anzahl der Mona­te (n) vom Sym­ptom­be­ginn bis zum Zeit­punkt der Pro­pa­ga­ti­on erfasst. Die P1(x) wird ver­wen­det, wenn bereits eine Pro­pa­ga­ti­on vor­liegt, aber der Zeit­punkt der Pro­pa­ga­ti­on nicht sicher zu ermit­teln ist. Der „Moto­neu­ron-Phä­no­typ“ beschreibt das Aus­maß von Sym­pto­men des ers­ten Moto­neu­rons (Engl., upper motor neu­ron, UMN) und/oder des unte­ren Moto­neu­rons (Engl., lower motor neu­ron, LMN). Dabei wird zwi­schen kom­bi­nier­ten und aus­ge­gli­che­nen UMN/LMN-Sym­pto­men (M0), domi­nan­ten LMN-Sym­pto­men (M2d), puren LMN-Sym­pto­men (M2p), domi­nan­ten UMN-Sym­pto­men (M1d), puren UMN-Sym­pto­men (M1p) unter­schie­den. Ein sel­te­ner Phä­no­typ zeig domi­nan­te LMN-Sym­pto­me an den Armen und domi­nan­te UMN-Sym­pto­me an den Bei­nen (M3).


22. März 2026