Zusammenfassung
Zielsetzung: Robotische Assistenzarme sind innovative Hilfsmittel für Menschen mit ALS und fortschreitenden motorischen Einschränkungen der Arme und Hände. Ziel der Studie war es, die Erwartungen der Betroffenen an ein robotisches Armsystem sowie ihre tatsächlichen Erfahrungen nach Bereitstellung des Geräts zu untersuchen.
Methoden: An neun deutschen ALS-Zentren wurde eine prospektive Beobachtungsstudie durchgeführt. Die krankheitsbedingten funktionellen Einschränkungen wurden mit der überarbeiteten ALS-Funktionsskala (ALSFRS‑R) erfasst. Zur Beurteilung der motorischen Einschränkungen der oberen Gliedmaßen wurde ein Teilwert aus drei armbezogenen Fragen der ALSFRS‑R verwendet (Fragen 4–6; Wertebereich: 0–12 Punkte). Untersucht wurden die Erwartungen vor der Versorgung mit dem Gerät (Erwartungsgruppe, n = 85) und die Erfahrungen nach der Versorgung (Erfahrungsgruppe, n = 14). Zum Einsatz kam das robotische Assistenzgerät JACO (Kinova, Boisbriand, Québec, Kanada).
Ergebnisse: In der gesamten Untersuchungsgruppe lag der mittlere ALSFRS-R-Teilwert für die Armfunktion bei 1,7 Punkten (Standardabweichung: 2,0; Spannweite: 0–9). Dies weist auf schwere funktionelle Einschränkungen der oberen Gliedmaßen hin.
In der Erwartungsgruppe wurden folgende Einsatzmöglichkeiten des Roboterarms als besonders wichtig eingestuft: das Handhaben von Gegenständen (89 %), körpernahe Bewegungen (88 %), das Drücken von Tasten oder Knöpfen (87 %), das Anreichen von Getränken (86 %) sowie das Öffnen von Schränken und Türen (85 %).
In der Erfahrungsgruppe gehörten das Handhaben von Gegenständen (79 %), das Anreichen von Getränken (79 %), körpernahe Bewegungen (71 %), das Drücken von Tasten oder Knöpfen (71 %), das Anreichen von Speisen (64 %) und das Öffnen von Türen (64 %) zu den häufigsten Anwendungen.
Die meisten Betroffenen nutzten das Gerät täglich (71,4 %; n = 10), weitere 28,6 % (n = 4) mehrmals pro Woche. Alle Teilnehmenden der Erfahrungsgruppe bewerteten das Gerät als hilfreich, fühlten sich bei der Nutzung sicher und waren mit seiner Zuverlässigkeit zufrieden.
Beim Net Promoter Score (NPS) entfielen 64 % auf „Promotoren“ mit einer starken Weiterempfehlung, 29 % auf „Indifferente“ mit unsicherer Weiterempfehlung und 7 % auf „Detraktoren“, die das Gerät nicht weiterempfehlen würden. Der Gesamtwert von +57 zeigt eine hohe Zufriedenheit der Betroffenen.
Schlussfolgerungen: Die Versorgung mit einem robotischen Assistenzarm wurde vor allem bei Menschen mit schweren funktionellen Einschränkungen der oberen Gliedmaßen eingeleitet. Die Erfahrungen der Nutzerinnen und Nutzer verdeutlichen das breite Spektrum möglicher Anwendungen robotischer Assistenzarme bei ALS.