Performance of serum neurofilament light chain in a wide spectrum of clinical courses of amyotrophic lateral sclerosis – a cross-sectional multicenter study

PMID: 36899448
Autoren: Thomas Meyer, Erma Salkic, Torsten Grehl, Ute Weyen, Dagmar Kettemann, Patrick Weydt, René Günther, Paul Lingor, Jan Christoph Koch, Susanne Petri, Andreas Hermann, Johannes Prudlo, Julian Großkreutz, Petra Baum, Matthias Boentert, Moritz Metelmann, Jenny Norden, Isabell Cordts, Jochen H. Weishaupt, Johannes Dorst, Albert Ludolp, Yasemin Koc, Bertram Walter, Christoph Münch, Susanne Spittel, Marie Dreger, André Maier, Peter Körtvélyessy

Am 10. März 2023 wur­den im „Euro­pean Jour­nal of Neu­ro­lo­gy“ die ers­ten Ergeb­nis­se der deutsch­land­wei­ten Neu­ro­fi­la­ment-Stu­die (NfL-ALS) wis­sen­schaft­lich ver­öf­fent­licht. Die­se Fach­zeit­schrift ist das offi­zi­el­le Publi­ka­ti­ons­or­gan der Euro­päi­schen Aka­de­mie für Neu­ro­lo­gie (EAN). Die Stu­die wird durch eine umfas­sen­de För­de­rung der Boris Canes­sa ALS Stif­tung ermög­licht. Bei der Stu­die han­delt es sich um die welt­weit umfang­reichs­te Unter­su­chung zu Neu­ro­fi­la­ment light chain (NfL), an der 1378 ALS-Pati­en­ten in 12 ALS-Zen­tren in Deutsch­land teil­ge­nom­men haben.

Bei der ALS sind schnel­le, mitt­le­re und lang­sa­me­re Ver­läu­fe mög­lich. Daher besteht ein medi­zi­ni­sches Inter­es­se an einem Bio­mar­ker, der mit dem indi­vi­du­el­len Krank­heits­ver­lauf kor­re­liert und als pro­gnos­ti­scher Mar­ker der ALS dient. In der NfL-ALS-Stu­die wur­de belegt, dass ein enger Zusam­men­hang zwi­schen der NfL-Kon­zen­tra­ti­on im Blut (Serum­kon­zen­tra­ti­on, sNfL) und der Krank­heits­pro­gres­si­on besteht: Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit einer hohen ALS-Pro­gres­si­on haben deut­lich erhöh­te sNfL-Wer­te, wäh­rend Betrof­fe­ne mit einem lang­sa­men und/oder lan­gen ALS-Ver­lauf eine gerin­ge­re sNfL-Erhö­hung auf­wei­sen. sNfL ist damit – neben ande­ren wich­ti­gen Fak­to­ren (wie Kör­per­ge­wicht, Atem­kraft und Hus­ten­stoß) – einer von meh­re­ren Pro­gno­se­fak­to­ren für den zu erwar­ten­den Krank­heits­ver­lauf. Für NfL ist eine star­ke Alters­ab­hän­gig­keit des Refe­renz­wer­tes bekannt. Daher wur­de in der Stu­die eine Anpas­sung der Mess­ergeb­nis­se an alters­be­zo­ge­ne sNfL-Grenz­wer­te vor­ge­nom­men (wis­sen­schaft­li­cher Begriff: „NfL-Z-Score“). Die­ses Kon­zept der Alters­kor­rek­tur wur­de ursprüng­lich von For­schern auf dem Gebiet der Mul­ti­plen Skle­ro­se ent­wi­ckelt und in die­ser Stu­die auf die ALS-For­schung über­tra­gen.

Die Ergeb­nis­se sind für die Eta­blie­rung von NfL als Bio­mar­ker der ALS von gro­ßer Bedeu­tung. Auf die­ser Basis kann die Mes­sung von sNfL als einer von meh­re­ren Fak­to­ren in der Pro­gno­se­be­stim­mung der ALS genutzt wer­den. Die­se Stu­die hat auch eine wis­sen­schaft­li­che Rele­vanz für die Durch­füh­rung zukünf­ti­ger kli­ni­sche Stu­di­en. Die Bestim­mung von sNfL kann dazu bei­tra­gen, the­ra­peu­ti­sche Effek­te von inno­va­ti­ven Medi­ka­men­ten früh­zei­ti­ger zu erken­nen und damit die Dau­er von kli­ni­schen Stu­di­en zu redu­zie­ren. Die Eta­blie­rung von sNfL als The­ra­pie­mar­ker hat das Poten­zi­al, die Durch­füh­rung kli­ni­scher Stu­di­en zu revo­lu­tio­nie­ren und die Ent­wick­lung neu­er Medi­ka­men­te zu beschleu­ni­gen.

Aut­hor: Prof. Dr. Tho­mas Mey­er